(Folge 6) Sepp Maier: "Bank für Wirtschaft und Straßenverkehr, Koblenz" (1966)

 

Heute geht die Reise weit zurück in die Anfangsjahre der Bundesliga und zu den frühen "Stunden" einer unserer Legenden, Sepp Maier.

 

Sepp Maier hat schon früh damit begonnen, Autogrammkarten von sich auszugeben. Die heutige Karte würde ich aufgrund des Adidas-Dresses (evtl. Nationalelf?) und Sepp's jungen Antlitz' auf die Zeit um 1966 datieren. Die Karte ist rückseitig im damaligem Postkartendesign gehalten und trägt einen Stempel der Bank für Wirtschaft und Straßenverkehr, Koblenz, einem Vorgängerinstitut der Volksbank Mittelrhein eG, Koblenz.

 

Bislang ist diese Karte noch nirgendwo anders aufgetaucht. Auch die Nachfragen bei anderen Sammlern ergaben kein Ergebnis. Ist nun die Karte aufgrund einer Autogrammstunde in Koblenz entstanden? Gibt es das gleiche Motiv womöglich mit weiteren Stempeln, Zudrucken usw.? Man weiß es nicht. Falls jemand die näheren Umstände dieser Karte kennt, bitte Mail an mich. Vielen Dank.

 

Ich finde, diese frühen Karten sind schöne Pendants zu den heutigen, meist eher 'grell' gehaltenen Werbe- oder Spielerkarten und naturgemäß nur noch sehr selten zu finden. Sie transportieren die Nostalgie, die wir Sammler und Fußballfreunde des FCB doch (auch) so lieben. Zudem kann Sepp's Karte hier stellvertretend für die ersten und damals nur selten produzierten Autogrammkarten der Bayernspieler in der noch jungen Bundesliga stehen.


(Folge 5) Alibaba und die fünf Räuber (Gemeinschaftskarte von Taobao aus 2014)

 

Heute möchte ich eine ungemein interessante Werbekarte aus Asien vorstellen. Sie steht für die ökonomische Ausweitung der Marke FC Bayern  in Asien, insbesondere in China. Aber der Reihe nach:

 

Die abgebildete Karte wurde ausgegeben von der Online-Internet-Plattform Taobao aus China, welche zur chinesischen IT-Firmengruppe Alibaba aus Hangzhou gehört. Über Mittelsmänner ist es auch Käufern aus Europa möglich, an diesem chinesischen Online-Handel teilzunehmen. Die Werbekarte ist der Tabobao-Plattform durch den vorderseitigen Barcode zuzuordnen. Bei Auflösung des Codes erscheint auf dem Smartphone eine Auswahl von Bayern-Merchandising-Produkten. Rückseitig findet sich noch die Barcode-Werbung eines chinesischen Onlinehändlers Laiwang.com, sowie der Hinweis auf die Bayern-Edition der Madison-Uhr Candy-Time. Madison ist ein US-amerikanischer Uhrenhersteller aus New York. Die fünf Bayern-Spieler Lahm, Schweinsteiger, Lewandowski, Robben und Alaba tragen das Trikot der Saison 2013/2014 mit dem Club-Weltmeisterschafts-Emblem. Die Karte kann daher auf Frühjahr 2014 datiert werden.

 

Was ist der Hintergrund dieser Karte?

Die aktuelle Vorbereitungsreise des FC Bayern wird im Juli 2017 (wie auch in der Saisonvorbereitung 2015), nach China führen. Man darf erneut davon ausgehen, dass diese Reise nicht unbedingt auf einen guten sportlichen Einstand des Rekordmeistes in die Saison 2017/2018 gemünzt ist, sondern auf die Pflege und der Erweiterung der mittlerweile sehr gut ausgebauten wirtschaftlichen Vormachtstellung, die die ausländischen Top-Fußballclubs in Asien haben. Dass die Marke FC Bayern  im noch immer stark wachsenden asiatischen Markt heute so gut etabliert ist, war nicht immer so.

 

Gerade die Vereine der englischen Premier League erkannten früh die ökonomischen Potentiale der asiatischen Fußballmärkte. Hierzu muss man wissen, dass beispielsweise die Anfang der 1990er Jahre ins Leben gerufene japanische J-League und die chinesische Chinese Jia-A League anfangs jeweils ein riesiger Erfolg bei den asiatischen Fußballfans war. Es folgten Überschuldung durch exorbitant hohe Gehälter der ausländischen Fußballstars (naaaa, kennt man das etwa auch aus der aktuellen chinesischen Chinese Super League ?), Korruption und Missmanagement, was das Interesse der dortigen Fußballfans zu den außer-asiatischen Spitzenclubs wandern lies. Insbesondere die chinesischen Fans wandten sich Anfang der 2000er Jahre den europäischen Top-Clubs aus Madrid, London usw. zu.

 

Flog der FC Bayern in 2005 noch zu Vorbereitungsspielen nach Japan, änderte man später diese Strategie und wandte sich konkret dem chinesischen Markt zu. Auch um die ökonomische Lücke insbesondere zu den englischen Top-Clubs zu schließen, wurde beim FC Bayern schließlich das Ressort Internationalisierung und Strategie unter der Leitung von Jörg Wacker geschaffen. Der Markt in China wurde als potentieller Wachstumsmarkt definiert, was auch gute Gründe hatte: die hohe Bevölkerungszahl, das steigenden Pro-Kopf-Einkommen und die Affinität der Chinesen zu ausländischen Vereinen und Stars. Nach der Schaffung des Ressorts Internationalisierung und Strategie folgten dann die China-Reise 2015, die Büro-Eröffnung in Shanghai in 2016, die Schaffung einer eigenen chinesischen Web-Seite sowie die Präsenz in den größten chinesischen Social-Media-Diensten wie Weibo usw. Insgesamt konnten durch diese Positionierung in 2017 mehr chinesische Fans für den FC Bayern gewonnen werden, als dies bei anderen Top-Clubs der Fall ist.

 

Was hat das alles mit der abgebildeten Werbekarte zu tun?

Nun, bereits in 2014 gab es erste Verbindungen zum mittlerweile größten chinesischen IT-Riesen Alibaba. Zur Sicherung der Markenrechte und zur Eindämmung der weit verbreiteten Marken-Piraterie schloss man vor der Audi-Football-Summit -Asientour in 2015 einen Kooperationsvertrag mit Alibaba über den Trikotverkauf in China. Während der China-Tour 2015 sicherte sich die Auktions-Plattform Taobao die Werberechte für die Vermarktung des FCB. Praktischeweise konnte man (und kann man noch heute) Madison-Uhren bei Taobao erwerben. Seit 2013 ist der New Yorker Uhrenhersteller ein Kooperationspartner des FC Bayern, womit sich der Kreis dieser m.M. nach sehr interessanten und mittlerweile äußerst seltenen Gemeinschafts-Werbekarte schließt.


(Folge 4) Mario Gomez, Red Bull (2009)

 

Heute möchte ich mal eine Unterrubrik starten, ich nenne Sie mal "Was war die Erste?", also die erste Werbekarte eines Spielers in Diensten des FC Bayern. Heute: Mario Gomez.

 

Gomez ging 2009, kurz vor seinem Wechsel zum FC Bayern, eine Werbepartnerschaft mit dem österreichischem Energy-Drink-Hersteller Red Bull ein. Im Sommer 2009 lief die Werbekampagne "Red Bull Schützenfest" an. Hier wurden bis November 2009 die kreativsten Tore bewertet und ausgezeichnet. Da Red Bull stets für Innovationen und Kreativität bekannt ist, gab es, jawohl, eine runde Werbekarte mit Mario Gomez

 

Die Werbeaktion begann zwar zum Ende des Vertrages von Mario Gomez beim VfB Stuttgart, endete jedoch nach dem Zugang zum FC Bayern. Daher gehört diese Karte lupenrein zum Sammelgebiet.

 

Somit haben hier die frühest mögliche Werbekarte von Super-Mario, dazu noch in Rund, ein eher seltenes Kuriosum.


(Folge 3) Karl-Heinz Rummenigge, "Kick'n Chu" (1982)

 

Als Werbekarte der Woche möchte ich auch hin und wieder Karten vorstellen, die mehr Fragen aufwerfen, als Antworten bereithalten. Ich nenne das Thema mal "XY ungelöst". In dieser Folge habe ich eine solche Werbekarte.

 

Karl-Heinz Rummenigge warb 1982 für ein Gewinnspiel von "Kick'n Chu". Hierzu lag mir zuerst nur die nachfolgende Klappkarte vor, die außer der Datierung durch den Einsendeschluss in 1982 keinerlei Hinweise auf den Hintergrund des Gewinnspiels preis gab. Was zum Henker soll "Kick'n Chu" heißen? Kicken und ..... ? Weder unter "Kick'n Chu" noch unter "Chu" hat das Internet irgendwelche Lösungsansätze parat. Chu für Chewing-Gum fiel mir noch irgendwann einmal ein, da Kaugummi in den 80ern deutlich beliebter war, als heute. Also "Kicken und kauen"?

 

Die Antwort ist auf den ersten Blick noch schlimmer...... Dank an SF Norbert für die Teil-Auflösung dieses Rätsels. Von "Kick'n Chu" gab es auch eine einfache Werbekarte mit Aufdruck für das "Gourmetstück der Woche": Kaugummi Schnitzel-Streifen!

 

Trotzdem. Was sind Kaugummi Schnitzel-Streifen? Kaugummi mit Schnitzelgeschmack? (Soll's ja als Spaßartikel geben.) Schnitzelstreifen, zäh wie Kaugummi? Kaugummi-Streifen im Schnitzeldesign? Fragen über Fragen...

 

Aber.... keine zwei Tage später und SF Sven hatte des Rätsels Lösung: "Ich erinnere mich daran, dass das kleine rosa Kaugummistreifen in einer Verpackung in der Art einer Suppentüte zum Aufreissen waren. Daher der Name Schnitzel - wie Papierschnitzel. Da waren dann vielleicht 30 oder 40 solcher "Schnitzel" in der Tüte."

 

Also nichts mit in diesem Fall Ferkels (un)leckeren Lenden, sondern kaubare rosa Schnipsel-Streifen. Schnipsel kennt man ja auch als Wegweiser einer Schnipsel... äh Schnitzeljagd. DARAUF muss man erstmal kommen.... und der Werbe-Etymologe von damals konnte mal so richtig den Kreativen raushängen lassen.

 

Vielen Dank Sven für Deine Erinnerung und die Einordnung dieser "denk"- bzw. merkwürdigen Werbeaktion.


(Folge 2) Jérôme Boateng, Wahlkampfpostkarte Stadtratswahl München, 2014

 

Eine politische Werbekarte gab es in 2014 von Jérôme Boateng. Zur Stadtratswahl in München am 16.03.2014 wurden für die Kampagne "Ich wähle demokratisch" des Münchner Bündnis für Toleranz, Demokratie und Rechtsstaat Prominente gewonnen, die das Bündnis beim Kampf gegen Hass und Rassismus unterstützten. Vom FC Bayern wurde Jérôme Boateng engagiert, dessen Vater aus Ghana stammt.

 

Die Karte war ein politisches Zeichen, dass wie ich finde nichts an Aktualität verloren hat.

 

Zitat hierzu aus 'region-muenchen.de':

 

"Keine Stimme für Hass und Rassismus" fordert FC Bayern-Star Jerome Boateng, auf Plakaten, die auf den Litfaßsäulen in München zu sehen sind. Er beteiligt sich an der Kampagne "Ich wähle demokratisch" des Münchner Bündnisses für Toleranz, Demokratie und Rechtsstaat zur Stadtratswahl in München. Zahlreiche weitere Prominente unterstützen den Aufruf, unter anderem die Kabarettisten Luise Kinseher (Nockherberg-Fastenrednerin) und Michael Mittermeier, Senta Berger und Michael Verhoeven, Michaela May, Nina Eichinger, Wiesnwirt Christian Schottenhamel und die Repräsentanten der fünf wichtigsten Religionen in München. ...


... Die Kampagne setzt ein deutliches Zeichen gegen Hass und Rassismus und für ein weltoffenes und demokratisches München. Sie appelliert an die Münchnerinnen und Münchner, von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen – dabei aber denjenigen, die Hass und Rassismus schüren, die Stimme zu verweigern. Denn bei einer Wahlbeteiligung von durchschnittlich 50 Prozent bei Kommunalwahlen reicht für einen Sitz im Stadtrat ein Stimmenanteil von etwa 0,6 Prozent der Wahlberechtigten (etwas über 6.000 Wähler). Da spielt vor allem eine geringe Wahlbeteiligung kleinen Gruppierungen in die Karten, die es verstehen, ihr Potential gut auszuschöpfen. ...

 

... Das Münchner Bündnis für Toleranz, Demokratie und Rechtsstaat setzt sich dafür ein, dass Rassismus und Ausgrenzung über den Umweg von Kulturkampf-Parolen im kommunalpolitischen Alltag keinen Einfluss bekommt. Es wurde vor 16 Jahren vom jetzt scheidenden Oberbürgermeister Chistian Ude gegründet und engagiert sich gegen Rechtsextremismus, Antisemitismus, Rassismus und Gewalt. Das Bündnis ist ein überparteilicher Zusammenschluss und besteht aus Vertretern der Religionsgemeinschaften sowie von Sozialverbänden, Universitäten, Initiativen und Vereinen.


(Folge 1) Gerd Müller, "Türmer-Karte", 1980

 

Unser Bomber Gerd Müller wurde bekanntlich in Nördlingen geboren und verdiente sich in der Jugend des TSV 1861 Nördlingen die ersten außergewöhnlichen Fußball-Sporen.

Es gibt nun eine Autogrammkarte vom Gerd, die ihn mit dem Türmer des Daniel, dem Kirchturm von Nördlingen als bekannte hiesige Sehenswürdigkeit, zeigt. Datieren kann man die Karte evtl. auf ca. 1980, wenn man das amerikanisch angehauchte Outfit vom Bomber (er spielte bekanntlich zu der Zeit bei den Fort Lauderdale Strikers) in Kombination mit Bart und längerem Haar betrachtet.

 

Sicherlich war es ein besonderer Moment für J.F. Wiedemann, dem damaligen Türmer des Daniel, neben dem erfolgreichsten Toschützen der Bundesliga zu sitzen. Und auch war diese Werbekarte von Nördlingen damals sicher ein begehrtes Souvenir der Besucher des Daniels.

 

Die Karte zeigt vorderseitig Wiedemann und Müller, rückseitig Druck-Autogramme der beiden und sowie einen Caché-Stempel vom Turm Daniel. Diese "Türmer-Karte" mit Gerd Müller ist heute nur noch sehr selten zu finden.